Philosophie

Was ist Philosophie?

Sie existiert schon seit Tausenden von Jahren und hat etliche berühmte Anhänger gefunden. Tagtäglich wird über sie diskutiert und ein Leben ohne selbige wäre undenkbar, da sie unser aller Handeln prägt und beeinflusst – auch wenn wir uns dessen nicht permanent bewusst sind: die Philosophie.
Doch was ist das eigentlich, Philosophie? Jeder mag seine eigene Vorstellung haben, wenn er beispielsweise die Namen bekannter Philosophen wie Sokrates oder Kant vernimmt, und jeder Denker hat seine persönliche Auffassung zu dem Begriff „Philosophie“.
Die Liebe zur Weisheit, denn eben das heißt das aus den Wörtern „philos“ und „sophia“ bestehende Wort aus dem Griechischen übersetzt, lässt sich nicht allgemeingültig definieren. Im Folgenden will ich dennoch den Versuch wagen, die Hauptmerkmale der Philosophie zu skizzieren und ihr Wirken zu erläutern.
Philosophie kann als Universalwissenschaft, oder besser als Grundlagenwissenschaft bezeichnet werden, da sie die Fundamente der Erkenntnisgewinnung und deren Prinzipien und Methoden zu ergründen sucht. Sie stellt Fragen, auf die andere Wissenschaften wie die Mathematik oder die Physik durch Versuche und Berechnungen keine Antworten finden können. Und doch bringt auch sie keine eindeutigen und richtigen Resultate hervor, da jeder Philosoph eigene, von den anderen differierende Ansichten und Meinungen vertritt. Trotz jahrtausendelanger Existenz haben die Philosophen zu keinen gesicherten Erkenntnissen gefunden.
Unbestreitbar ist allerdings die Tatsache, dass philosophisches Nachdenken und Infragestellen die anderen Wissenschaften stets gefördert und belebt hat, da neuartige Forschungsfragen aufgeworfen und als Axiome angesehene Untersuchungsergebnisse erneut hinterfragt und angezweifelt wurden.
Ein Blick in Enzyklopädien und Lexika offenbart allgemeine Definitionen, in denen die Philosophie als das Streben der menschlichen Vernunft nach Wahrheit und „letzten Gründen“ mit dem Ziel der Herstellung eines systematisch geordneten und schlüssigen Weltbildes angegeben wird. Festhalten kann man ohne Zweifel, dass die „Freunde der Weisheit“ ohne Unterlass versuchten und versuchen, die fachbezogenen Arbeitsergebnisse in eine grundlegende Weltanschauung einzuordnen. Oft beschäftigen letztere sich mit nur einem Teilbereich der Philosophie, um dann die Beziehung des Teils zum großen Ganzen zu erläutern.
Man kann die Grundlagenwissenschaft daher in mehrere Untergebiete einteilen, so z.B. die Logik, also die Lehre vom richtigen Denken, die Ethik, also die Lehre vom richtigen Handeln, die Ästhetik, also die Lehre vom Schönen, die Metaphysik, Anthropologie, Gesellschafts-, Religions-, Staats-, Rechts-, Wirtschafts-, Naturphilosophie und viele weitere Bereiche.
Es dürfte also klar geworden sein, dass es überaus schwierig wenn nicht gar unmöglich ist, eine solche Definition der Philosophie zu finden, welcher alle Menschen zustimmen würden. Ich denke jedoch, das ist nicht Aufgabe und Bestimmung der Liebe zur Weisheit ist, quantitatives Wissen anzueignen, sondern den Mensch qualitativ weiterzuentwickeln.
Letztendlich wird es wohl so sein, wie Georg Wilhelm Friedrich Hegel es 1812 zu bemerken wusste; und mit eben seinen Worten möchte ich meine Ausarbeitung nun hier enden lassen: „Man macht der Philosophie den Vorwurf, sie sei nicht imstande, einen Hund hinter dem Ofen hervorzulocken; das ist zwar vollkommen richtig, aber das ist auch nicht ihre Aufgabe.“

Marius Deutschmann

Was ist der Mensch?

Nach der Auseinandersetzung mit der Philosophie und ihren Aufgabenbereichen gilt es nun,
einer der ältesten und meistgestellten Fragen der Geschichte auf die Spur zu kommen: Was
ist eigentlich der Mensch?
Auf den ersten Blick so simpel und überflüssig erscheinend, deckt sich obige mit dem
wesentlichen Themengebiet der Anthropologie, also der Lehre vom Menschen.
Doch nicht nur die Anthropologie sucht nach einer überzeugenden Antwort auf die Frage;
auch viele weitere Wissenschaften beschäftigen sich mit ihr.
Die Soziologie beispielsweise befasst sich mit dem gesellschaftlichen Zusammenleben der
Menschen, die Medizin analysiert den Körper des Menschen und die Pädagogik widmet sich
der Bildung und Erziehung des Menschen.
Die letzteren der eben angesprochen Wissenschaften betrachten allerdings lediglich jeweils
einen Teilbereich des gesamten Menschenbildes. Aufgabe der philosophischen
Herangehensweise ist es, sich nicht auf ein Detail zu beschränken, sondern dem Menschen
unabhängig von seinen verschiedenen Kulturen und individuellen Aspekten in seiner vollen
Bandbreite an Gesichtspunkten entgegenzutreten.
Bereits unzählige geschichtsträchtige Philosophen zerbrachen sich am Rätsel der
menschlichen Natur den Kopf und kamen dabei zu mehr oder weniger befriedigenden
Erkenntnissen:
Platon sieht den Menschen als „ein zweibeiniges Lebewesen ohne Federn“. Für Hegel ist er
„ein denkendes und dadurch freies Wesen“, für Sigmund Freud „der Triebverdränger“.
Friedrich Hebbel bezeichnet ihn als „ein Experiment der Natur“. Huxley meint, im Menschen
„eine in Knechtschaft seiner Organe lebende Intelligenz“ zu finden, und Pierre Reverdy „ein
wildes Tier, das sich selbst gezähmt hat“. Laut Nietzsche letztendlich ist der Mensch „ein Seil,
geknüpft zwischen Tier und Übermensch – ein Seil über einem Abgrunde“.
Wie unschwer zu erkennen ist, kommen fast alle Philosophen zu unterschiedlichen
Ergebnissen. Doch lässt sich wirklich kein einziger Aspekt des Menschen allgemeingültig
beschreiben? Auch hier hilft erneut ein Blick ins Lexikon:
Der Mensch ist ein Säugetier aus der Ordnung der Primaten, welches zur Untergattung der
Trockennasenaffen gehört, so die anerkannte Definition.
Halten wir vorerst fest, was den „Homo sapiens“ so deutlich von Braunbär und Co
unterscheidet, dass die Ermittlung einer Antwort auf die Frage nach dem Menschen auch
nach Jahrtausenden noch so schwerfällt.
Die Weiterentwicklung über das Tier hinaus spiegelt sich im aufrechten Gang und dem
vergleichsweise größeren Gehirn (auf Kosten der Leistungsfähigkeit und Sinnesschärfe)
wieder. Allerdings ist auch hier noch kein revolutionärer Unterschied erkennbar.
Seelisch hervorgehoben ist der Mensch durch das Bewusstsein seiner Umwelt und seiner
selbst. Neuerungen im Vergleich zum Tierreich sind ohne Zweifel die Fähigkeit des Denkens,
des Fühlens und des Wollens sowie die Erinnerungsfähigkeit und Phantasie.
Wohingegen das Tier an seine Instinkte gebunden ist und von der Umwelt gelenkt wird,
steht dem Menschen ein nahezu grenzenloses Entscheidungsspektrum zur Verfügung, sprich
er hat volle Entscheidungsfreiheit in jeder erdenklichen Situation.
„Durch das Geistige ist der Mensch den anderen Lebewesen überlegen“, meint auch Kant.
Bereits in der Antike gelang dem „Sinneswesen mit Vernunft“ (Aristoteles), unter Einsatz
seiner Intelligenz und seines Vermögens zu werten, die Bildung politischer Gemeinschaften.
Generell entwickelte und entwickelt er sich stets weiter, da er die sonstigen Lebewesen in
einer weiteren Fähigkeit übertrifft: Sein Potential, aus den eigenen Erfahrungen und denen
anderer zu lernen, und auf Grundlage der neu gewonnenen Erkenntnisse seine (fehlerhaften
und verbesserungsfähigen) Handlungsgewohnheiten zu optimieren.
Wenden wir uns jetzt erst einmal verstärkt den differierenden Betrachtungsweisen der
Philosophie zu. Schenkt man der Theologie Glauben, so ist der Mensch von Geburt an böse.
Vertraut man dem bekannten Sozialphilosophen Jean-Jacques Rousseau, so ist der Mensch
als von Natur aus gut anzusehen – und das, wo sich auch letzterer als Vertreter der
Aufklärung der anthropologischen Herangehensweise bedient. Verfechter des
Sozialdarwinismus hingegen fassen die menschliche Natur als „Kampf ums Dasein“ auf, bei
dem nur die Stärksten der menschlichen Gesellschaft überleben. Kulturanthropologen
letzten Endes sehen den Menschen – pauschalisiert gesagt – als unzureichend ausgerüstet
an.
Schnell dürfte also klar werden, dass – obgleich alle vier aufgezeigten anthropologischen
Positionen an einer allgemeinen und geschichtlich unabhängigen Definition arbeiten –
zwischen sämtlichen Ansichten eine erhebliche Diskrepanz vorherrscht.
Zeitgleich kommt außerdem noch die Frage auf, ob sich überhaupt eine zutreffende
Auffassung über die Menschennatur herstellen lässt. Zwar ist nicht gesagt, das nicht eine der
verschiedenen Positionen richtig ist, doch liegt die Mutmaßung nahe, dass die
Grundannahme, also der Ausgangspunkt aller philosophischen Betrachtungsweisen der
Menschen, unzutreffend ist.
Abschließend lässt sich also lediglich festhalten, dass der Mensch das Tier am stärksten
überragt, sich aber gewiss auch am stärksten von der Natur distanziert.
So wird man die Akte Mensch wohl auch in den nächsten Jahrtausenden noch nicht
schließen können…

Marius Deutschmann