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Schulprogramm der Johann-Gutenberg Realschule

Schwerpunkt: Berufswahlorientierung - Elternworkshop

   

Wie unterstütze ich mein Kind bei der Berufswahlorientierung?

Am 23.05.07 fand an der Johann-Gutenberg-Realschule im Rahmen der Berufswahlorientierung ein besonderer Workshop über Hilfestellungen zur Berufswahl für die Jahrgangsstufe 8 statt. Aber diesmal drückten nicht die Schüler, sondern 25 engagierte Eltern die Schulbank. Eine zentrale Fragestellung des Abends war: Was ist Individualität – wie finde ich als Elternteil die besonderen Fähigkeiten und Fertigkeiten meines Kindes heraus? In diesem ersten Teil einer zweiteiligen Reihe, erfuhren die Eltern, wie sie die Talente und Stärken ihrer Kinder identifizieren und optimal fördern können. Denn jedes Kind ist individuell und damit einzigartig! Statt schulischer Leistungen standen vor allem die außerschulischen Interessen und Fähigkeiten in Form von sozialer Kompetenz im Mittelpunkt. Sie bilden neben den Charakterzügen des Kindes die Basis für ein mögliches Berufsprofil.
Geleitet wurde die Veranstaltung von Claudia Winzen, die als ehemalige Realschülerin aus eigener Erfahrung weiß, welche Herausforderungen der Zukunft auf die Schülerinnen zukommen werden. Heute ist sie im Bereich Konzernentwicklung der DOUGLAS Holding AG tätig und betreut dieses Schulprojekt ehrenamtlich bereits im zweiten Jahr. Diese Workshopreihe wird derzeit nur an der Johann-Gutenberg-Realschule angeboten.

Auch wenn die Schüler erst die 8. Klasse besuchen, möchten die Eltern bereits jetzt ihren Nachwuchs bei der Gestaltung ihrer beruflichen Zukunft unterstützen und gemeinsam mit ihnen die individuellen Wege planen. Viele Eltern haben früher als Schüler ihre beruflichen Entscheidungen ohne solche Kurse treffen müssen. Warum sind heute solche Kurse nötig? In einer sich schnell wandelnden Gesellschaft und Berufswelt werden an die jungen Auszubildenden große Anforderungen gestellt.

Viele Fähigkeiten sind für die Zukunft unerlässlich, wie z.B. Technologiekenntnisse, Zuverlässigkeit, Teamfähigkeit, Flexibilität, Mobilität, Selbstdisziplin und mentale Stärke. Vermehrt kommen auch Stärken wie Selbstbewusstheit – d.h. sich der eigenen Fähigkeiten und Charakterzügen bewusst sein sowie Kreativität, Zuversicht, Vertrauen und Intuition.Letztere unterstützen maßgeblich dabei, die richtigen Entscheidungen zu fällen.

Wie erkennen Eltern, welche Fähigkeiten und Talente in ihrem Nachwuchs stecken? Der sogenannte Flow-Zustand kennzeichnet die Situationen, in denen die Kinder ihre Stärken ausleben und mit Tätigkeiten zeitintensiv beschäftigen, die sie begeistern und fesseln. Auch gilt es, Schlüsselerlebnisse aufzuspüren – denn hier können Hinweise für individuelle Interessen und Talente der Kinder liegen. So erzählte eine Mutter von einem Erlebnis in ihrer Kindheit, wo sie ein Buch bekam, welches sie sehr faszinierte. Heute ist sie Buchhändlerin! Viele Eltern hatten solche Schlüsselerlebnisse jedoch nicht, und haben ihre wahren Interessen und Fähigkeiten erst nach einer Ausbildung herausgefunden. „Der Erfolg wird sich einstellen, wenn man eine Sache gut und leidenschaftlich gerne macht.“ – so Claudia Winzen.


Schließlich griffen die Eltern zum Stift und erarbeiteten anhand einer umfangreichen Checkliste die besonderen Fähigkeiten ihrer Kinder und erstellten mit diesen Ergebnissen einen so genannten „Fähigkeiten-Baum“. „Denkt kreativ und fantasievoll“ „plant und organisiert gerne“ oder „pflegt Freundschaften“ sind nur einige Beispiele. Anschließend ging es darum, die positiven Charaktereigenschaften zu benennen und ihren Nachwuchs zu beschreiben.

Viele Aspekte spielen sich laut Claudia Winzen im Unterbewusstsein ab. Daher ist es besonders wichtig, dass die Eltern ihren Kindern offen begegnen und ihnen Mut, Zuversicht und Vertrauen spiegeln. Dazu ist es erforderlich, dass sich die Eltern jeden Tag aufs Neue gedanklich positiv einstimmen.
Einstellungen und Werte prägen maßgeblich unserer Leben. Welche Werte geben Eltern ihren Kindern mit auf den Weg? „Beruf ist Berufung“ ist z.B. ein solcher Wert aber auch „Beruf ist Gelderwerb“. Für diese Thematik wurde eine Glaubenssätze- und eine Werteliste zur Verfügung gestellt. Bei den Gesprächen über die Berufswahlorientierung stehen auch Informationen im Mittelpunkt, wie Kommunikation erfolgreich gestaltet werden kann. Wichtig beim aktiven Hinhören ist, dass man Aufmerksamkeit signalisiert, dass man sich Zeit für sich selbst und auch für das Kind nimmt und dass man widerspiegelt, dass man alles verstanden hat. Das hört sich leichter an, als es manchmal ist.

Für Gespräche sollten Momente gewählt werden, in denen die Eltern wie auch die Kinder „erreichbar“ sind. Beide Gesprächspartner sollten sich Zeit nehmen.

Im Zweifel ist Geduld gefordert. Das Thema ist zu wichtig, um zwischen Tür und Angel besprochen zu werden.

Im Herbst wird es eine Fortsetzung dieser Veranstaltung geben. Hier bietet sich die Gelegenheit, das bisher Erarbeitete zu vertiefen und sich über das bevorstehende Praktikum und die mögliche berufliche Orientierung auszutauschen.

Text und Fotos: Anja Vormbrock, Jennifer Schlegel, Joseline Hußmann, Malwine Unger – WPIIMedien10